Die Klagebefugnis des VKI aus wissenschaftlicher Sicht

Kodek

HR Univ.-Prof. Dr. Georg E. Kodek, LL.M. (OGH / WU Wien)[1]

Die bisherigen Vorträge haben einen anschaulichen Einblick in die Tätigkeit des VKI geboten. Im Folgenden soll versucht werden, die Klagebefugnisse des VKI aus wissenschaftlicher Sicht kurz zu beleuchten.

Systematische Einteilung

Die Klagebefugnis des VKI lässt sich aus systematischer Sicht in zwei Bereiche unterscheiden, die durchaus unterschiedliche Funktionen erfüllen. An erster Stelle steht die Klagebefugnis kraft eigenen Rechts. Diese ist (meistens) angesprochen, wenn von „Verbandsklage“ die Rede ist. Die wichtigsten Fälle sind die Klagen nach dem KSchG (vor allem in Form der Bekämpfung unzulässiger Allgemeiner Geschäftsbedingungen) und nach dem UWG (Bekämpfung aggressiver Praktiken).

Auf einer anderen Ebene liegt die Geltendmachung abgetretener Individualansprüche. In diesen Fällen räumt der Gesetzgeber dem VKI nicht von vornherein einen eigenen Anspruch im Allgemeininteresse ein, sondern der Inhaber eines Anspruchs entschließt sich, diesen Anspruch zum Zweck der Geltendmachung dem VKI abzutreten. Diese Möglichkeit bildet auch die Grundlage für die „Sammelklage österreichischer Prägung“. Dabei handelt es sich um die Kombination aus der Sammlung von Ansprüchen durch Abtretung und aus der Inanspruchnahme gewerblicher Prozessfinanzierung.

Funktion und Bewertung

a) Verbandsklage

Bei der Verbandsklage räumt der Gesetzgeber bestimmten Verbänden im Allgemeininteresse einen eigenen Anspruch ein. Hier geht es um die Wahrung öffentlicher, also überindividueller Interessen im Wege eines Zivilprozesses. Diese Lösung ist keineswegs zwingend: Nach der Unterlassungsklagen-Richtlinie könnte auch eine Behörde mit der Vollziehung betraut werden („Behördenlösung“). Der österreichische Gesetzgeber hat sich – wie der deutsche – für die Umsetzung in Form des Zivilprozesses entschieden. Dadurch fügt sich die Verbandsklage vordergründig in das System des Zivilprozesses als Zweiparteienprozess ein. Bemerkenswert ist allerdings, dass wir hier Klagebefugnissen begegnen, denen nicht alle Merkmale eines gewöhnlichen zivilrechtlichen „Anspruchs“ zukommen: Die Rechtsordnung nimmt keine materielle Güterzuweisung an den Verband vor; der Verband kann über den Anspruch auch nur eingeschränkt disponieren. So kann er seinen Anspruch nicht abtreten und auch nicht einen Vergleich mit der Wirkung schließen, dass ein bestimmtes Verhalten des Gegners dann zulässig wäre. Vielmehr steht der hier eingeräumte „Anspruch“ einer bloßen Klagebefugnis nahe und hat seine eigenständige materiell-rechtliche Bedeutung weitgehend verloren.

Die Zuweisung derartiger Verfahren zum Zivilprozess zieht eine Reihe von Folgeproblemen nach sich. Einerseits stellt sich das Problem des Schutzes des Beklagten vor mehrfacher Inanspruchnahme durch verschiedene Verbände. Dabei handelt es sich jedoch derzeit um ein rein theoretisches Problem, weil der VKI und die Arbeiterkammer in der Praxis die einzigen Verbände sind, die derartige Verfahren anstrengen.

Schwerer wiegt, dass die Zuweisung zum Zivilverfahren auch zur Folge hat, dass der Verband dem Kostenersatzregime der ZPO unterworfen ist. Bei der „Behördenlösung“ würde der Staat demgegenüber nur im Fall einer unvertretbaren Rechtsansicht nach dem AHG haften. Im Zivilprozess muss der Verband nicht nur (zunächst) die eigenen Kosten finanzieren und erhält diese nur im Fall seines Obsiegens ersetzt, sondern muss im Fall des Unterliegens auch die Kosten der Gegenseite ersetzen. Der Verband trägt also ein erhebliches Kostenrisiko. Will der Gesetzgeber, dass die Verbände durch die Erhebung von Verbandsklagen Fragen im Allgemeininteresse klären lassen, so muss er auch für eine entsprechende finanzielle Ausstattung der Verbände Sorge tragen.

Das Kostenrisiko ist im Erkenntnisverfahren (zwar schon hoch genug, aber) noch einigermaßen kalkulierbar. Im Verfahren zur Erlassung einstweiliger Verfügungen können hier noch höhere Kosten auflaufen, weil der Antragsteller, wenn sich der Antrag letztlich als unberechtigt erweist, dem Gegner den gesamten durch die einstweilige Verfügung entstandenen Schaden ersetzen muss. Dies kann durchaus prohibitiv wirken. Man denke etwa an das Verbot einer Werbekampagne, das dazu führt, dass später eine neue Werbekampagne produziert werden muss, oder ähnliche Fälle.

Gerade im Bereich der Bekämpfung von unzulässigen Klauseln in AGB könnte das Abmahnverfahren zur Gerichtsentlastung beitragen. Diese Möglichkeit hat die Rechtsprechung aber gewissermaßen selbst „verbaut“. Im Kern geht es darum, dass nach der Rechtsprechung ein abgemahnter Unternehmer nach dem „Alles oder Nichts“-Prinzip sich nur entweder zur Gänze unterwerfen oder bestreiten kann; eine Anerkennung nur eines vom Unternehmer selbst für berechtigt erachteten Teils der Abmahnung ist nicht möglich. Diese Rechtslage wurde durch eine Entscheidung eines verstärkten Senats vor einigen Jahren „einzementiert“. Praktisch hat das Abmahnverfahren damit stark an Bedeutung verloren. Für dessen „Wiederbelebung“ wäre eine gesetzliche Klarstellung erforderlich, dass auch bei der Abmahnung nach dem KSchG – wie dies im Übrigen auch der Auffassung zum UWG und zum deutschen Recht entspricht – auch Teilunterwerfungen zulässig sind.

b) Geltendmachung abgetretener Ansprüche

Die Befugnis zur Geltendmachung abgetretener Individualansprüche erfüllt eine wichtige Rechtsschutzergänzungsfunktion: Die starren Streitwertgrenzen für die Anrufung des OGH von derzeit EUR 5.000 führen ja dazu, dass der OGH in den meisten Streitigkeiten des täglichen Lebens nicht mehr angerufen werden kann. Herr und Frau „Normalverbraucher“ können daher den Streit um das Handy, den Fernseher, die Karten für die Salzburger Festspiele oder den Gebrauchtwagen in aller Regel nicht vor den OGH bringen. Damit sind wichtige Bereiche des täglichen Lebens von einer letztinstanzlichen Überprüfung von vornherein ausgeschlossen. Diese Rechtsschutzlücke mildert die Möglichkeit, dass klagebefugte Verbände ihnen abgetretene Ansprüche geltend machen, für die dann die Streitwertgrenzen nicht gelten. Der rechtspolitische Grund dafür liegt darin, dass die Übernahme der Geltendmachung durch einen klagebefugten Verband die Wahrscheinlichkeit, dass die Klärung der Rechtsfrage von allgemeinem Interesse ist und somit die Bedeutung des Verfahrens über den Einzelfall hinausreicht, stark erhöht.

Die Befugnis, abgetretene Ansprüche geltend zu machen, eröffnet auch die Möglichkeit, mehrere Ansprüche zu bündeln. Damit gleicht die Aktivität des VKI und der Arbeiterkammer in gewisser Weise das Defizit aus, das sich daraus ergibt, dass die österreichische Rechtsordnung bisher kein eigenes Instrument dafür zur Verfügung stellt.

Ausblick: Die Geltendmachung kollektiver Interessen als Herausforderung für das Verfahrensrecht

a) Problemstellung

Der traditionelle Zivilprozess ist auf eine Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien ausgerichtet. Heute gibt es jedoch zahlreiche Fälle, die nicht einige wenige, sondern eine Vielzahl von Personen betreffen. Beispiele sind Schadenersatzklagen von Anlegern oder von durch ein Kartell geschädigten Marktteilnehmern. Es geht daher hier keineswegs nur um Ansprüche von Verbrauchern. Zur Bewältigung derartiger Massenverfahren reicht unsere aus dem 19. Jahrhundert stammende Prozessordnung nicht aus. Die parallele Abwicklung hunderter oder sogar tausender Einzelprozesse würde die Justiz, aber auch die Verfahrensbeteiligten, insbesondere den Beklagten, aber auch Zeugen, überfordern. Aus diesem Grund haben mittlerweile zahlreiche Länder Gruppenverfahren eingeführt. In Österreich forderte 2004 eine einstimmige (!) Entschließung des Nationalrats, diesbezügliche Möglichkeiten zu prüfen. In den letzten Jahren gab es dann mehrere Anläufe, die jedoch zu keinem Erfolg führten.

b) Keine „amerikanischen Verhältnisse“

Bekannt geworden sind Sammelklagen aus den USA. Dort gelten jedoch ganz andere prozessuale und materielle Rahmenbedingungen. So entscheiden auch in Zivilverfahren vielfach Geschworenengerichte (was die vielfach extrem hohen Schadenersatzzusprüche erklärt), Anwälte der Kläger arbeiten oft auf Basis einer Erfolgsbeteiligung (was zahlreiche „Glücksritter“ anlockt) und der Kläger muss, wenn sich seine Klage als unberechtigt erweist, keinen Kostenersatz leisten. All das ist kein Merkmal der Sammelklage, sondern gilt in den USA genauso in Einzelprozessen. Durch Sammelklagen (die dort auch Personen umfassen können, die ihren Anspruch gar nicht geltend machen wollen) werden die Nachteile dieses Systems freilich verstärkt.

In Österreich ist das alles anders: In Zivilsachen entscheiden qualifizierte Berufsrichter; die Höhe von Schadenersatzbeträgen ist stets sehr maßvoll; Anwälte dürfen nicht auf Basis eines prozentuellen Erfolgshonorars arbeiten und der Kläger muss, wenn er den Prozess verliert, dem Beklagten die Kosten des Verfahrens ersetzen. Dies führt dazu, dass – anders als in den USA – zur Erhebung reiner „Erpressungsklagen“ in Österreich kein Anreiz besteht.

c) Ausgestaltung des Verfahrens

Das Gruppenverfahren beruht auf dem Gedanken, Fragen, die eine Vielzahl von Personen betreffen, gewissermaßen „vor die Klammer zu ziehen“ und gemeinsam zu entscheiden. Dies ist rascher und billiger als die parallele Abführung einer Vielzahl von Einzelverfahren und daher auch im Interesse der Beklagten. Die Bündelung zahlreicher Kläger ermöglicht zudem die Inanspruchnahme gewerblicher Prozessfinanzierung. Anders als in den USA soll das Verfahren freilich – anderen europäischen Vorbildern folgend – nur diejenigen Personen umfassen, die sich freiwillig daran beteiligen. Es gibt also keine „Zwangsbeglückung.

d) Mehrspuriger Ansatz

Die vielfältigen Probleme, die Massenverfahren mit sich bringen, erfordern einen mehrspurigen Ansatz. Hierzu gehört ein Musterfeststellungsverfahren, das die fallübergreifende Klärung von Rechtsfragen ermöglicht, ebenso wie die Einführung eines Gruppenverfahrens zur Geltendmachung einer Vielzahl gleichgelagerter Ansprüche. Wieder eine andere Lösung erfordern die sogenannten Bagatell- oder Streuschäden, die in Summe zwar eine erhebliche Höhe erreichen können, bei denen aber die auf den jeweiligen Einzelnen entfallene Schädigung so gering ist, dass dieser keine Veranlassung hat, selbst tätig zu werden. Hier könnte ein Gewinnabschöpfungsanspruch Abhilfe bieten.

e) Schluss

Die fast schon reflexartige Abwehrhaltung, die das Thema „Gruppenverfahren“ bei manchen Beteiligten auslöst, ist schwer verständlich. Es geht nicht um die Einführung neuer Ansprüche, sondern lediglich darum, dass bestehende Ansprüche relativ rasch und kostengünstig geklärt werden. Ein schutzwürdiges Interesse daran, dass bestehende (!) Ansprüche nicht oder nur erschwert geltend gemacht werden können, ist aber natürlich nicht anzuerkennen.

[1] Schriftliche Fassung eines beim VKI-Symposium „25 Jahre Klagen – Zukunft der Rechtsdurchsetzung“ am 20.3.2018 in Wien gehaltenen Impulsvortrags.

Die Zukunft der Rechtsdurchsetzung – die europäische Perspektive

christoph_schmon_0

Dr. Christoph Schmon (Team Leader Consumer Rights at BEUC)[1]

Der VKI als wichtiger Impulsgeber der Rechtsdurchsetzung

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) kann auf eine lange und erfolgreiche Tradition der Verbraucherrechtedurchsetzung in Österreich zurückblicken. Auch aus europäischer Sicht gilt der VKI als einer der fortschrittlichsten Verbände, der BEUC und dem europäischen Netzwerk der Verbraucherschutzorganisationen regelmäßig wichtige Impulse im Bereich der koordinierten Rechtsdurchsetzung gibt.

Solche coordinated actions gewinnen auch deshalb an Bedeutung, weil sich Rechtsdurchsetzung von territorialen Grenzen gelöst hat und sich zusehends am Binnenmarkt ausrichtet. Als Beispiel für ein erfolgreiches Projekt der gemeinsamen Rechtsdurchsetzung kann das Consumer Justice Enforcement Forum (COJEF) dienen, ein zum Teil aus EU-Mitteln finanziertes Projekt im Rahmen dessen Verbraucherorganisationen Erfahrungen der guten fachlichen Praxis austauschen konnten und Durchsetzungsstrategien entwickelt wurden. Ein Resultat war die gemeinsame Rechtsdurchsetzung von 11 BEUC-Mitgliedern gegen das Technologieunternehmen Apple Inc. aufgrund irreführender Angaben und unlauterer Vermarktung einer Herstellergarantie, welche in den wesentlichen Punkten hinter dem gesetzlichen Gewährleistungsrecht zurückblieb.

Der Fitness Check des EU-Verbraucherrechts

Dass Verbraucherrechtedurchsetzung gesamteuropäisch angepackt werden muss, hat man auch in Brüssel erkannt, von wo aus gerade ein Reformprozess gestartet wird. Am 11. April wird die Europäische Kommission den sogenannten New Deal for Consumers vorstellen, ein Bündel von legislativen und nicht-legislativen Maßnahmen welche das Verbraucherrecht zukunftsfit machen sollen. Obwohl der Name dem Ausmaß der Reform nicht gerecht wird, ist immerhin mit einer Stärkung des kollektiven Rechtsschutzes zu rechnen: eine Forderung, die BEUC als europäischer Verbraucherschutzverband schon seit Jahrzehnten artikuliert.

Antriebsfeder einer Verbraucherrechtsreform ist der vor kurzem abgeschlossene Fitness Check des EU-Verbraucherrechts – eine Panoramaanalyse des geltenden Verbraucherrechtsacquis, welcher auf seine Effektivität und Tauglichkeit hin untersucht wurde.[2] Die Europäische Kommission hat in diese vielleicht umfangreichste Analyse des EU-Verbraucherrechts viel Zeit und Geld investiert. Resultate bisheriger Untersuchungen wurden einer Metaanalyse unterzogen, neue Studien in Auftrag gegeben, öffentliche Konsultationen gestartet, Verhaltensexperimente durchgeführt und Expertengruppen (unter Einbindung von BEUC und weiteren Mitgliedern) eingerichtet.

Die Kosten des Verbraucherrechts

Die Analyse zeigte, dass der EU-Verbraucherrechtsstandard an sich gut und durchaus ein Qualitätsmerkmal der Europäischen Union ist. Dabei zeigen die Daten, dass die Kosten für die Einhaltung des Verbraucherrechts (compliance costs) verhältnismäßig gering sind: Mit einem Aufwand, der lediglich 0,024 % des jährlichen Umsatzes der befragten Unternehmen entspricht, belegte das Verbraucherrecht unter 32 untersuchten Kostenpunkten den vorletzten Rang. Verbraucherrecht ist daher eine der am wenigsten kostenintensiven Stellen aus Unternehmersicht.

Das Problem der Rechtsbefolgung

Andererseits zeigte die Analyse große Probleme der Rechtsbefolgung durch Unternehmen: Seit 2005 ist die Anzahl der Rechtsverstöße im Wesentlichen gleich geblieben und konnten Beschwerdefälle trotz einiger Reformen nicht reduziert werden. Aus ökonomischen und prozessrechtlichen Gründen ist dem geschädigten Konsumenten oft der Zugang zum Recht versperrt: die erlittenen Schäden sind häufig gering und stehen besonders in grenzüberschreitenden Situationen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Rechtsdurchsetzung.

Dazu passt ins Bild, dass die Bekanntheit des Verbraucherrechts zu wünschen übrig lässt. Nur 40 % der Konsumenten wussten über ihr Recht auf kostenlose Reparatur oder Austausch des Produktes im Gewährleistungsfall Bescheid. Nur 40 % der Händler wiederum hatten eine klare Vorstellung über das Rückgaberecht im Online-Handel. Möglicherweise kann der Modellversuch der Kommission mit dem klingenden Namen ConsumerLawReady Abhilfe schaffen. Unter diesem Programm, organisiert von BEUC und zwei europäischen Unternehmensverbänden, werden Schulungen für nationale KMUs angeboten werden[3].

Zugang zum Recht – der Fall Volkswagen

Besonders in Massenschadensfällen zeigt sich, dass Verbraucher einen schwierigen Zugang zum Recht haben: Der Volkswagen Skandal – mag er auch nun bereits als Beispiel überstrapaziert worden sein – zeigt das Problem der Rechtsdurchsetzung: Einem relativ klaren Verstoß gegen einheitliches Unionsrecht (Typengenehmigungsrecht und vollharmonisiertes Verbraucherrecht), von welchem EU-Verbraucher gleichermaßen betroffen sind, steht ein Flickenteppich der Verbraucherrechtedurchsetzung gegenüber: Während in manchen Mitgliedstaaten Verbraucher kollektiv geschützt werden und auf Entschädigungen hoffen dürfen, gibt es in anderen Mitgliedstaaten Behördenuntätigkeit und weder effektive Individual- noch Kollektivrechte für Verbraucher. Dieses Problem ist freilich auch darin begründet, dass die einschlägigen EU-Rechtsgrundlagen keine konkreten Rechtsmittel oder Sanktionen vorsehen. EU-Recht als lex imperfecta – ein Recht ohne Sanktion?

Die Zukunft der Rechtsdurchsetzung: der New Deal für Verbraucher

Der vor kurzem veröffentlichte Bericht über den kollektiven Rechtsschutz in Europa zeigte wenig überraschend, dass in den meisten Mitgliedstaaten entweder keine oder keine wirkungsvollen Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes zur Verfügung stehen. In nur fünf Staaten sind Verbraucher im Fall von Massenschäden effektiv geschützt. Die Europäische Kommission und die zuständige Justizkommissarin Vera Jourova sind daher entschlossen, die kollektive Rechtsdurchsetzung von Verbrauchern zu stärken.

Zu einer echten europäischen Sammelklage wird es zwar nicht kommen, aber immerhin sieht der New Deal for Consumers eine Reform des Unterlassungsverfahrens vor. Mitgliedstaaten werden sicherstellen müssen, dass eine Verbraucherorganisation wie der VKI zum einen Unterlassung des rechtswidrigen Verhaltens begehren kann und zum anderen verlangen kann, dass betroffene Verbraucher kollektiv entschädigt werden müssen. Wie dies im Detail umgesetzt werden soll wird noch verhandelt und das Ergebnis wird ein politischer Kompromiss sein.

Zudem sollen Sanktionsmöglichkeiten gestärkt werden. Die schablonenartige Formulierung wie sie üblicherweise in EU-Richtlinien zu finden ist, wonach Mitgliedstaaten Sanktionen für Verstöße festlegen sollen, die „wirksam, verhältnismäßig und abschreckend“ sind, wird aufgrund mangelnder Umsetzungsdisziplin und zugunsten einer konkreten Benennung von Anforderungen an Strafhöhen aufgegeben. Schließlich werden im Fall des unlauteren Wettbewerbs vertragliche und außervertragliche Individualrechte für Verbraucher eingeführt werden. Es darf erwartet werden, dass Verbraucher ein Recht auf Schadenersatz und Vertragsauflösung zugestanden wird. Zu all diesen Maßnahmen werden sich weitere Gesetzesänderungen gesellen; dies auch um die Kosten für Unternehmer zu senken.

Die Rolle der Österreichischen Ratspräsidentschaft

Die Entfaltung des Binnenmarktes und ein hoher Standard der Rechtsdurchsetzung stehen nicht notwendigerweise im Konkurrenzverhältnis oder Zielkonflikt. Ein trade off ist genauso wenig angezeigt wie ein schlechter Kompromiss. Es darf erinnert werden, dass effektive Rechtsdurchsetzung Gesetzestreue belohnt, Innovation anregt und Verbraucher ermuntert, am Binnenmarkt teilzunehmen.

Für Österreich ist die anstehende Reform des Verbraucherrechts jedenfalls eine Chance Führungsqualität zu zeigen, denn die Reformarbeit wird in die Hände der österreichischen Ratspräsidentschaft fallen. Die Rolle der Ratspräsidentschaft ist eine verantwortungsvolle und auch einflussreiche; dies besonders jetzt, nachdem das Ende der Legislaturperiode im Europäischen Parlament ansteht und daher eine besondere Dringlichkeit geboten ist, mit den relevanten Dossiers voranzuschreiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Reform im Sinne der Verbraucher gelingt.

[1] Schriftliche Fassung eines beim VKI-Symposium „25 Jahre Klagen – Zukunft der Rechtsdurchsetzung“ am 20.3.2018 in Wien gehaltenen Impulsvortrags. Zum anlässlich des Symposiums gemeinsam mit Dr. Lell (vzbv) gegebenen Interviews siehe hier.

[2] Für Details siehe Schmon, Fitness Check of EU Consumer Law: An Interim Judgment, in Reiffenstein/Blaschek (Hrsg), Konsumentenpolitisches Jahrbuch 2017.

[3] Die für Österreich zuständige Trainerin ist Maga. Ulrike Docekal vom Verein für Konsumenteninformation.

Statement AK: 25 Jahre Klagen – Zukunft der Rechtsdurchsetzung

Zgubic

Mag. Gabriele Zgubic (Bundesarbeitskammer)[1]

Als Gründungsmitglied ist die AK seit nunmehr 57 Jahren Mitglied des VKI. Umso mehr freut es mich, mit dem VKI 25 Jahre Klagstätigkeit feiern zu können. Stand im VKI ursprünglich die Produktberatung im Vordergrund, hat sich mit der Zeit der Tätigkeitsbereich verbreitert und mittlerweile ist der Klagsbereich einer der wesentlichen Pfeiler des VKI. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Unternehmen den AK-Konsumentenschutz vor allem deswegen ernst nehmen, weil wir jederzeit mit Klagen gegen sie vorgehen können. Das ist beim VKI wohl nicht anders. Speziell große Unternehmen oder Konzerne können oft nur so überzeugt werden, sich rechtskonform zu verhalten.

Die Verbandsklage als effektives Instrument mit Schwächen

Die Möglichkeit, Verbandsklagen zu führen ist daher essentiell, dennoch zeigen sich einige Schwächen in der Prozessordnung. So entfalten Verbandsklagen nicht automatisch Wirkung auf einzelne Betroffene, da sie nur darauf gerichtet sind, dass eine als rechtswidrig befundene Klausel nicht mehr verwendet wird und sich das Unternehmen nicht mehr darauf berufen kann. So musste etwa in einem AK-Verfahren gegen eine Bank wegen zu viel verrechneter Zinsen, Verzugszinsen und Mahnspesen ein gesondertes Prozedere mit dieser Bank für die Kompensation der betroffenen Konsumentinnen und Konsumenten vereinbart werden und oft müssen die Betroffenen selber aktiv werden. Letztlich bedeutet dies, dass viele Ansprüche einfach liegen bleiben, die sich das Unternehmen behalten kann. Das ist nicht befriedigend. Daher braucht es eine Regelung, dass mit einem Urteil auch über die einzelnen Ansprüche mitentschieden wird und Unternehmen verpflichtet sind, Betroffenen die Entschädigung von sich aus zu bezahlen.

Ein weiteres Problem ist die Wirkung eines Urteils auf gleichlautende Klauseln anderer Unternehmen. Die AK hat in einem Verfahren gegen ein Telekommunikationsunternehmen eine Klausel angefochten, der zufolge eine Kündigungsfrist von 3 Monaten für Altverträge nicht zulässig ist. Gleichlautende Klauseln hatten auch andere Unternehmen dieser Branche. Nichtsdestotrotz wurde Konsumentinnen und Konsumenten, die kündigen wollten und auf dieses Urteil verwiesen, die kürzere Kündigungsfrist verweigert mit dem Hinweis, dieses Urteil gelte für sie nicht. Nur unter Androhung weiterer Klagen lenkten diese Unternehmen ein und akzeptierten schließlich die kürzere Kündigungsfrist. Auch hier wären Regelungen nötig, um dieses Schlupfloch zu schließen.

Gleichzeitig bringen die Verbandsklagen auch Rechtssicherheit und dienen auch der Rechts­fortbildung. So hat etwa das Zahlungsdienstegesetz, das im Jahr 2009 in Kraft getreten ist, viele offene Rechtsfragen aufgeworfen, die in mehreren Verbandsklagsverfahren geklärt werden konnten. Eine gesicherte Rechtslage ist auch ein Vorteil für Unternehmen.

Fehlende Verbandsklagsbefugnis bei Datenschutzverstößen

Die Datenschutz-Grundverordnung bietet die Möglichkeit, auf nationaler Ebene Verbänden eine Verbandsklagsbefugnis gegen Datenschutzverstöße zu geben. Leider hat die Regierung von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht. Ich sehe keine nachvollziehbaren Gründe außer im Schutz von Unternehmen vor Klagen, wenn sie gegen Datenschutzgesetze verstoßen.

Kein Abtretungsverbot in Allgemeinen Geschäftsbedingungen

In Bezug auf Musterklagen ist uns in den letzten Jahren aufgefallen, dass Unternehmen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen immer öfter Abtretungsverbote festlegen. Somit kann ein Anspruch einer Konsumentin oder eines Konsumenten auch nicht etwa an verbandsklagsbefugte Organisationen wie AK oder VKI zur Klagsführung von Musterprozessen abgetreten werden. Daher sollte im Konsumentenschutzgesetz festgelegt werden, dass eine Abtretung zumindest an verbandsklagsbefugte Verbände nicht vertraglich ausgeschlossen werden darf.

Unrecht darf sich nicht lohnen – Gewinnabschöpfung im UWG nötig

Als effizientes Mittel gegen Wettbewerbsverstöße soll die Möglichkeit der Gewinnabschöpfung eingeführt werden. Dabei sollen diese Einnahmen zumindest zum Teil Konsumentenschutz­einrichtungen zugutekommen. Unrecht soll sich nicht lohnen dürfen, auch nicht zum Nachteil jener Unternehmen, die sich an Gesetze halten.

Gruppenklagen: Lange diskutiert – nichts passiert

Vorstöße für eine gesetzliche Regelung von prozessrechtlichen Instrumentarien gibt es seit über 10 Jahren. Ein schon weit gediehener Vorschlag des Justizministeriums unter Einbeziehung von Stakeholdern wurde damals schubladisiert. Obwohl in zwei Regierungsübereinkommen vereinbart, wurde wegen des Widerstandes der Wirtschaft dieses Vorhaben nicht umgesetzt. Der letzte Vorstoß war ein SPÖ-Initiativantrag im Herbst 2017, der allerdings keine Mehrheit fand. Auch auf europäischer Ebene konnte sich die Europäische Kommission nur zu einer unverbindlichen Empfehlung im Jahr 2013 durchringen, die kürzlich evaluiert wurde. Wenig erstaunlich zeigt sich, dass es EU-weit viele Lücken bei der kollektiven Rechtsdurchsetzung gibt. Ob die Europäische Kommission allerdings einen Richtlinienvorschlag zur Einführung eines kollektiven Rechtsinstruments vorlegen wird, ist zu bezweifeln. Zu groß ist der Widerstand der Unternehmen, die amerikanische Verhältnisse befürchten. Die jahrelange Erfahrung mit der „Sammelklage österreichischer Prägung“ hat aber gezeigt, dass keineswegs amerikanische Zustände in Österreich Einzug gehalten haben.

Die Erfahrungen mit der „Sammelklage österreichischer Prägung“ haben aber auch gezeigt, dass es sich um eine sehr aufwändige Konstruktion mit einigen Defiziten handelt. So sind für die Organisation der Sammelklage hohe Ressourcen, sowohl zeitlich als auch finanziell erforderlich. Jeder einzelne Geschädigte muss den Anspruch an die AK oder den VKI abtreten. Dies ist organisatorisch aufwendig und das Prozesskostenrisiko muss die prozessführende Organisation tragen. Daher sind diese Verfahren oft nur mit einem Prozesskostenfinanzierer möglich. All dies führt dazu, dass die Rechtsdurchsetzung bei Massenschäden nur vereinzelt erfolgt und es daher zusätzlich weiterer Instrumente bedarf wie insbesondere die Schaffung der Musterklage sowie der Gruppenklage.

Zur Frage des Modells opt-in vs opt-out ist dem letzteren der Vorzug zu geben.

Die Musterklage hat gegenüber der Gruppenklage den Vorteil, dass nur ein Fall von vielen gleichartigen Fällen eingeklagt werden müsste, mit dem exemplarisch die strittigen Rechtsfragen geklärt werden, die allen Fällen gemeinsam sind. Dies würde bei gleichzeitiger Hemmung der Verjährung für alle anderen Betroffenen ein äußerst prozessökonomisches Vorgehen ermöglichen und das den Sammelklagen immanente hohe Prozesskostenrisiko beschränken. Eine vergleichbare gesetzliche Regelung gibt es zB in Deutschland für Anlegerschäden im Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG). Eine Ausdehnung auf andere Sachverhalte plant die deutsche Regierung noch in diesem Jahr im Hinblick auf die Verjährung der Ansprüche geschädigter VW-Kunden.

Eine große Hemmschwelle stellen Gerichts- und Rechtsanwaltskosten dar – nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Institutionen, die eine Sammelklage organisieren. So liegt der Streitwert bei der aktuellen Alpine-Sammelaktion der AK bei rd 27 Mio Euro. Damit sind astronomisch hohe Kosten verbunden, die selbst eine so große Institution wie die AK nur mit einem Prozesskostenfinanzierer tragen kann. Es braucht daher eine deutliche Reduzierung von Kosten etwa mit einer Deckelung der Höhe des für die Berechnung der Kosten zugrunde zu legenden Streitwerts.

Die AK führt derzeit 66 Gerichtsverfahren – Verbands- und Musterklagen sowie UWG-Verfahren. Im Jahr 2017 hat die AK außergerichtlich und gerichtlich rd 11,1 Mio Euro erstritten, wobei der Erfolg aus der von der AK Tirol beauftragten Klage des VKI in Bezug auf die Negativzinsen Kreditnehmern ca 350 bis 400 Mio Euro bringt.

Wir tun viel und reden nicht nur – auch wenn manche das gerne hätten. Gemeinsam mit dem VKI sind wir ein durchsetzungsstarkes Bollwerk im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten und das soll auch in Zukunft so bleiben.

[1] Schriftliche Fassung der beim VKI-Symposium „25 Jahre Klagen – Zukunft der Rechtsdurchsetzung“ am 20.3.2018 in Wien im Rahmen einer Podiumsdiskussion abgegebenen Statements.

„Abmahnen statt (gleich) klagen“ – ein Erfolgsmodell des Schutzverbandes

Seidelberger

Mag. Hannes Seidelberger (Geschäftsführer Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb)[1]

Dem im Jahr 1954 gegründeten Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb gehören mittlerweile über 600 Interessenvertretungen selbständig Erwerbstätiger als Mitglieder an. Er ist damit die größte Vereinigung zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von Unternehmern in Österreich, welche nach § 14 UWG klagslegitimiert ist.

Ebenso ist der Schutzverband eine gemäß der EU-Richtlinie über Unterlassungsklagen zum Schutz der Verbraucherinteressen, RL 98/27/EG, qualifizierte, klagebefugte Einrichtung. Seit seiner Gründung vor über 60 Jahren schreitet der Schutzverband bei Wettbewerbsverstößen im Interesse eines fairen Wettbewerbs ein und ist damit auch im Bereich der Rechtsdurchsetzung der Richtlinien über unlautere Geschäftspraktiken und irreführende Werbung nachhaltig aktiv.

Mit rund 2.500 Abmahnungen im Jahr 2017 hat der Schutzverband so oft wie nie zuvor seit seinem Bestehen bei Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht außergerichtlich interveniert und ist damit auf dieser Ebene einer der aktivsten Verbände in ganz Österreich. Nach dem Leitsatz „Beraten statt strafen“ erfolgen alle Unterlassungsaufforderungen an eingetragene Unternehmer bei einem erstmaligen Verstoß zunächst außergerichtlich und kostenfrei direkt durch den Schutzverband.

Diese nun schon über viele Jahre konsequent verfolgte unbürokratische Vorgangsweise hat dazu geführt, dass die durch Abmahnung des Schutzverbandes erlangten Unterlassungserklärungen beständig zugenommen haben und die Notwendigkeit von Klagen geringer geworden ist. Es zeigen sich einige ganz wesentliche Vorteile bei diesem „Erfolgsmodell“:

  • Es können wesentlich mehr Fälle bearbeitet werden, weil außergerichtliche Interventionen zwar ebenfalls sorgfältig vorzubereiten sind, aber dennoch einen deutlich geringeren Aufwand erfordern als gerichtliche Klagen, wo zudem das Risiko eines Prozesskostenersatzes besteht.
  • Durch ein solches Einschreiten kann viel rascher reagiert werden und es ist möglich, selbst im Vergleich zu einem erfolgreichen Antrag auf Erlassung einer Einstweiligen Verfügung regelmäßig eine wesentlich schnellere Beendigung des wettbewerbswidrigen Verhaltens zu erreichen.
  • Mit den beschränkten Ressourcen eines rein aus Mitgliedsbeiträgen finanzierten Verbandes können so die einlangenden Beschwerden auch effizienter bearbeitet werden.
  • Den solcherart kontaktierten Unternehmern wird durch das außergerichtliche Schreiben die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben bzw können diese Fragen dazu schriftlich oder auch telefonisch an die Juristen des Verbandes richten.
  • Dazu gehört eine generelle Gesprächsbereitschaft, etwa um die Rechtswidrigkeit des Verhaltens noch näher zu erklären oder um sinnvolle und vertretbare Lösungen zu finden. Allerdings sind hier klare Leitlinien notwendig, was Fristsetzung usw betrifft, um gleiche Spielregeln für alle zu schaffen.
  • Mögliche Irrtümer des werbenden Unternehmens können unmittelbar aufgeklärt und vor allem auch Verstöße aus Unwissenheit ohne gerichtliche Befassung oder Kosten rasch behoben werden.
  • Die für alle Seiten risikobehaftete und oft sehr „teure“ Klage dient nur mehr als ultima ratio, falls wirklich kein Einsehen besteht bzw über den konkreten Anlassfall hinaus ein besonderes Interesse daran besteht, den Sachverhalt einer gerichtlichen Beurteilung zuzuführen und damit zur Rechtsfortbildung beizutragen.
  • Durch Interventionen nach dem Modell des Schutzverbandes werden auch die Gerichte entlastet und können sich den wirklich wichtigen bzw streitigen Fällen ohne außergerichtliche Lösungsmöglichkeit widmen.

Ein ähnliches Prinzip verfolgt die außergerichtliche Mediation, wobei ein wichtiger Unterschied zu den Interventionen nach dem UWG darin liegt, dass der abmahnende Verband hier die Spielregeln in Form der geforderten Unterlassungserklärung vorgibt und damit der weitere Ablauf klar definiert ist. Dazu gehört freilich, dass Abmahnungen grundsätzlich ebenso gewissenhaft aufbereitet werden wie Klagen, wobei auch die Anforderungen an die Beweispflicht (insbesondere nach § 14 UWG) zu erfüllen sind.

Die Erfolgsquote gibt dieser Form des Einschreitens Recht, weil die weit überwiegende Anzahl an gemeldeten Verstößen auf diese Weise außergerichtlich und somit rasch und effizient im Sinne eines fairen Wettbewerbs positiv erledigt werden können. Aber auch für den abgemahnten Unternehmer ist eine solche Vorgangsweise von Vorteil, weil die Abgabe einer Unterlassungserklärung kostenfrei und in aller Regel ohne zusätzliche Beiziehung eines Anwalts möglich ist. Gerade für kleinere Firmen (Einpersonenunternehmen – EPU und Klein- und Mittelbetriebe – KMU) ist dies eine angemessene Herangehensweise, da diese in der Regel über keine eigenen Rechtsabteilungen verfügen.

Die dargestellte Form des Einschreitens ändert nichts daran, dass bei wiederholten Verstößen, beharrlicher Uneinsichtigkeit des wettbewerbswidrig Handelnden oder in Fällen von grundsätzlichem Interesse eine Klagsführung nach dem UWG notwendig sein kann. Aber die gerichtliche Befassung erfolgt erst dann, wenn eine außergerichtliche Lösung nicht möglich ist.

Generell ist schließlich festzuhalten, dass die bestehenden Mittel der Rechtsdurchsetzung aus Sicht des Schutzverbandes gegen unlauteren Wettbewerb insbesondere nach dem UWG ausreichend erscheinen. Die zivilrechtliche Durchsetzung von Unterlassungsansprüchen in Kombination durch Mitbewerber und Verbände bildet die zum Wettbewerb einlangenden Beschwerden auch in Bezug auf die jeweiligen Sachverhalte gut ab. Dazu kommt das von der Rechtsprechung eingeführte Fruchtziehungsverbot.

Nicht zuletzt wird durch eine verstärkt außergerichtliche Interventionstätigkeit ein entsprechendes Knowhow bei den Verbänden geschaffen, welche laufend über konkrete Anlassfälle hinaus auch präventiv für die relevanten rechtlichen Informationen sorgen und entsprechende Beratungsleistungen erbringen. Eine solche Reaktionsfähigkeit und Effizienz in der Durchsetzung stellen ein gutes Beispiel für eine konsequente, aber auch für die Wirtschaftstreibenden ausgewogene und unbürokratische Form der Sicherung eines fairen sowie lauteren Wettbewerbs dar.

[1] Schriftliche Fassung der beim VKI-Symposium „25 Jahre Klagen – Zukunft der Rechtsdurchsetzung“ am 20.3.2018 in Wien im Rahmen einer Podiumsdiskussion abgegebenen Statements.